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Burgen im mittelalterlichen Breisgau

Wonnental

  • Gemarkung Riegel - Wüstung Nidingen 1203

    Wüstung Nidingen 1203

     

    Dorfwüstung (Siedungswüstung) Bezeichnung für eine Siedlung die in der Vergangenheit aufgegeben wurde.

     

    Landkreis: Emmendingen

    Gemarkung: Riegel

    Ersterwähung:

    1203

    Ortslage und Siedlung:  

    südlich Kenzingen an der Elz (https://opentopomap.org/#marker=16/48.18120/7.74688)

    Historische Namensformen:
    • Nidingen 1203 [1203 bis 1230]
    • Nydingen 1469
    Geschichte: 1203 bis 1230 Nidingen; 1469 zuo Nydingen; 1244 werden die Schwestern von Nidingen bei Kenzingen erwähnt.

      In Nidingen, einer spätmittelalterlichen Wüstung, lässt sich zu Beginn des 13. Jh. insofern eine religiöse Vereinigung von Frauen nachweisen, als Burkhard und Rudolf von Üsenberg 1244 Schwestern in Nidingen in ihren Schutz nahmen und ihnen Nutzungsrechte zugestanden. Vor Mitte des 13. Jh. vereinigten sich diese mit einer Schwesternsammlung in Altenkenzingen zum neuen Kloster Wonnental. [JÜRGEN TREFFEISEN]

     


     

  • Kenzingen – Zisterzienserinnenabtei Wonnental

    Kloster Wonnental
    {joomplu:611 type=detail|alttext=Kloster Wonnental 3D-Rekonstruktion Hans-Jürgen van Akkeren.}
    Kloster Wonnental
    3D-Rekonstruktion H-J. van Akkeren
     Alternativname(n)
     Schreibweisen

    Nidingen 1203 [1203 bis 1230].
    Nydingen 1469.
    Wannental 1254.
    Wunnental 1256.
    vallis iocunda 1312.

     Landkreis  Emmendingen
     Gemeinde  Stadt Kenzingen
     Entstehungszeit  1230-1240
     Ersterwähnung  1242
     Auflösung  1806-1807
     Gründungsstifter  Rudolf I. von Üsenberg
     Zugehörigkeit  Zisterzienser ab 1262
     Erhaltungszustand  Umbau zu Wohneinheiten
     Kirchenchor nicht erhalten
     Geografische Lage  48.18511/7.76901
     Höhenlage  178 m ü. NHN

    Kenzingen - Zisterzienserinnenabtei Frauenkloster Wonnental

    Einleitung

    Das ehemalige Kloster Wonnental bei Kenzingen geht auf eine religiöse Frauengemeinschaft zurück, die bereits in den 1220er- und 1230er-Jahren im Umfeld des Klosters Tennenbach nachweisbar ist. Nach dem Ortswechsel von Niedingen, ließ sich die Gemeinschaft spätestens 1248 beim Dorf Kenzingen nieder und wurde fortan als Kloster Wonnental bezeichnet. Eine wichtige Rolle bei seiner Entwicklung spielten die Herren von Üsenberg, die das Kloster förderten, mit Besitz ausstatteten und es als geistliches Zentrum und Hauskloster ihres Adelsgeschlechts etablierten.

    Nach einer zunächst wechselnden Ordenszugehörigkeit wurde Wonnental 1262 endgültig in den Zisterzienserorden aufgenommen. In den folgenden Jahrhunderten entwickelte sich das Frauenkloster zu einer bedeutenden geistlichen und wirtschaftlichen Einrichtung im nördlichen Breisgau. Davon zeugen unter anderem zwei reich ausgestattete Chorgesangbücher aus dem 14. Jahrhundert, die heute in der Badischen Landesbibliothek in Karlsruhe aufbewahrt werden.

    Im Zuge der Säkularisation wurde das Kloster 1806 aufgehoben. Die Anlage ging anschließend in private Hände über, die Klosterkirche wurde abgebrochen und Teile der Gebäude wurden gewerblich genutzt. Die erhaltenen ehemaligen Klostergebäude dienen heute überwiegend als Privatwohnungen.

    Lage

    Das ehemalige Kloster Wonnental liegt südlich der Stadt Kenzingen im Landkreis Emmendingen, nahe der Elz. Die Klosteranlage befand sich ursprünglich außerhalb der mittelalterlichen Stadt und war über ihre Besitzungen und wirtschaftlichen Beziehungen eng mit Kenzingen verbunden.

    Der heutige Wohnplatz Wonnental gehört zur Gemarkung Kenzingen. Von der historischen Klosteranlage sind nur noch Teile der ehemaligen Konvents- und Wirtschaftsgebäude erhalten. Die frühere Klosterkirche wurde nach der Aufhebung des Klosters abgebrochen. Die Anschrift der ehemaligen Anlage lautet Wonnentaler Weg 21, 79341 Kenzingen.

     

    Geschichte

    JahrEreignis
    1203–1230 Der Ort wird als „Nidingen“ bezeichnet.

    1242 Erstmals wird eine Priorin namens Mechtild in Kenzingen erwähnt. Sie erhielt dort Land von Vasallen des Grafen Konrad von Freiburg.

    1244 Die „Schwestern von Nidingen bei Kenzingen“ werden erwähnt.

    1245 Das Nonnenkloster St. Maria in Wonnental wird als dem Augustinerorden zugehörig bezeichnet.

    1248 Die Herren von Üsenberg statteten die Abtei mit Besitz aus. Dazu gehörte das Patronatsrecht über die Kirche in Amoltern.

    1248–1253 Die Herren von Üsenberg förderten die Gründung des Klosters Wonnental und statteten die Abtei mit umfangreichem Besitz aus.

    1253/1254 Das Kloster Wonnental unterstand fortan dem Zisterzienserorden.

    1254 Der Name „Wannental“ ist überliefert.

    1254 Papst Innozenz IV. empfahl das Kloster der Gunst und dem Schutz der Üsenberger und bestätigte dessen Rechte und Besitzungen.

    1256 Der Name „Wunnental“ ist überliefert.

    1312 Der lateinische Name „vallis iocunda“ ist überliefert.

    1469 Die Ortsbezeichnung „zuo Nydingen“ ist überliefert.

    Ohne genaue Jahresangabe Durch weitere Erwerbungen und Schenkungen erlebte das Kloster einen wirtschaftlichen Aufschwung. Wonnental stand unter der Aufsicht des Abtes von Tennenbach.

    1805 Mit der Landgrafschaft Breisgau fiel Wonnental an Baden.

    1806 Das Kloster Wonnental wurde aufgehoben.

     

    Urkunden Quellen des General Landesarchiv Karlsruhe

    1248 9. April 1248. Rudolf von Üsenberg schenkt sein Patronatsrecht in Amoltern dem Kloster Wonnental. 
    (GLA KA 21 Nr. 315 Verweisung)

    1254 27. Mai 1254. Papst Innozenz IV. empfiehlt das Kloster Wonnental der Gunst und dem Schutz des Herrn von Üsenberg und dessen Gemahlin.
    (GLA KA E Nr. 157)

    1254 28. Mai 1254. Papst Innozenz IV. bestätigt dem Kloster Wonnental alle Privilegien und Indulgenzen.
    (GLA KA E Nr. 158)

    1254 28. Mai 1254. Papst Innozenz IV. nimmt das Kloster Wonnental in seinen Schutz und bestätigt alle dessen Güter und Rechte.
    (GLA KA E Nr. 159)

    1256 4. Juni 1256. Rudolf und Hesso von Üsenberg gestatten den Nonnen von Wonnental eine Mühle zu bauen.
    (GLA KA 21 Nr. 8211)

    Erbauung einer Mühle und Bestätigung von deren Privilegien / (1256-)1742-1750
    (GLA KA 208 Nr. 440)

    1256 5. September 1256. Papst Alexander IV. erlaubt dem Kloster Wonnental, den Zugriff auf alle Habe der Schwestern, die in dem Kloster Profess abgelegt haben.
    (GLA KA E Nr. 204)

    1256 5. September 1256. Papst Alexander IV. bestätigt dem Zisterzienser-Orden alle dessen Privilegien und Indulgenzen, Freiheiten und Exemtionen [für Wonnental].
    (GLA KA E Nr. 205)

    1256 9. September 1256. Papst Alexander IV. bestätigt dem Zisterzienser-Orden die Freiheit seiner Angehörigen von der Gerichtsbarkeit und Strafgewalt der Bischöfe [für Wonnental].
    (GLA KA E Nr. 212)

    1256 13. September 1256. Papst Alexander IV. befiehlt der gesamten kirchlichen Hierarchie, das Kloster Wonnental gegen dessen Bedränger zu schützen.
    (GLA KA E Nr. 218)

    1259 16. August 1259. Hesso von Üsenberg bestätigt die Schenkung des Patronatsrechts zu Amoltern an das Kloster Wonnental, welche sein Oheim Rudolf von Üsenberg am 9. April 1248 gemacht hat.
    (GLA KA 21 Nr. 315)

    1263 2. Juli 1263. Papst Urban IV. bestätigt dem Kloster Wonnental das von Rudolf von Üsenberg dem Kloster überlassene Patronatsrecht über die Kirche zu Amoltern.
    (GLA KA E Nr. 256)

    1444 18. Februar 1444. Vertrag zwischen dem Kloster Wonnental mit der Stadt Kenzingen über Steuer, Bede, Fronden, Mühlzoll, Weinungeld, Viehweide, Schafweide etc.
    (GLA KA 21 Nr. 4382)

    1469 Vergabe eines Gutes in Kenzingen, das dem Heiligen St.Niklaus 'Wüstung Nidingen 1203' zugehört, an Hans Bühler zu Kenzingen als Erblehen.
    (GLA KA 208 Nr. 201)

    1523 1523 (1738,1790). Der tennenbachische Weier am Egelsee bei dem Kloster Wonnental. Zum Areal des Kloster Wonnentals gehörten zwei Fischweiher, die sich unmittelbar westlich des Klosterareals befunden haben. Der gößere Fischweiher (Egelsee) war mit einem schmalen Kanal an der Elz angeschlossen.
    (GLA KA 208 Nr.- 609)

    Reparatur eines Wasserwehrs beim Kloster Wonnental / 1688 (GLA KA 208 Nr. 610)

    1584 Verzeichnis der Rechnungen, die Hans Speck als ehemaliger Schaffner des Klosters Wonnental geliefert hat.
    (GLA KA 208 Nr. 494)

    1586 11. April 1586. Das Frauenkloster Wonnental bei Kenzingen tritt den Scholarchen des Gymnasiums in Ensisheim eine Schuldverschreibung über 400 Gulden Kapital, verzinst mit 20 Gulden, ab, gegen die Einräumung des Klösterleins Kirnhalden.
    (GLA KA Nr. 21 Nr. 199)

    1637-1698 Entrichtung von Kriegskontributionen an Frankreich und Streitigkeiten mit der Stadt Kenzingen u.a. wegen der Einquartierung.
    (GLA KA 208 Nr. 509)

    1659-1750 Streitigkeiten des Klosters wegen des Mühlenzwangs, der Fischer und des Elzwehrs.
    (GLA KA 208 Nr. 440), (1772-1790 siehe GLA KA 208 Nr. 438)

    1660-1686 Beschwerde des Klosters Wonnental gegen den herrschaftlichen Müller.
    (GLA KA 208 Nr. 446)

    1688 Reparatur eines Wasserwehrs beim Kloster Wonnental.
    (GLA KA 208 Nr. 610)

    1695-1705 Einzug des Weinumgeldes vom Kloster Wonnental.
    (GLA KA 208 Nr. 463)

    1731 10. Januar 1731. Vertrag des Klosters Wonnental mit Johann Traub zu Kenzingen über den Weinumgeld-Admodiator, das Weinumgeld in der Kirnhalden.
    (GLA KA 21 Nr. 4584)

    1742 und
    1751
    Bitte des Klosters Wonnental an die Kaiserin Maria Theresia um Bestätigung ihrer Privilegien.
    (GLA KA 208 Nr. 551) (GLA KA 208 Nr. 587)

    1761 Streitigkeiten zwischen dem Kloster Wonnental und der Stadt wegen Überlassung von Holz für das Bad in Kirnhalden.
    (GLA KA 208 Nr. 433)

    18. Jh. o.D.(18.Jh.). Kirchenordnung und Begräbnisordnung im Kloster Wonnental.
    (GLA KA 208 Nr.- 390)

    1803 Einrichtung einer Mädchenschule im Kloster Wonnental.
    (GLA KA 208 Nr. 562)

    1804 Voranschlag über die nötigen Maurer-, Glaser-, Schlosser-, Hafner- und Zimmermannsarbeiten für den Neubau einer Schule beim Kloster Wonnental.
    (GLA KA 208 Nr. 563)

    1806 Aufhebung des Klosters Wonnental und Pensionierung der Nonnen und Bediensteten.
    (GLA KA 208 Nr. 564)

    Jan. - Dez. 1806 Kommissionsakten des Direktors Stösser über die Besitznahme der Klöster und Stifter im Breisgau und der Ortenau. Enthält: Verzeichnis. Instruktion. Kunstschätze. Besitznahmsakte zu Heitersheim, St. Trudpert, Ebringen, St. Blasien, Säckingen, Beuggen, St. Peter, Tennenbach, Waldkirch, Wonnental, Franziskanerkloster Kenzingen, St. Georgen. Gutachten Stössers in der Klosterfrage: Fortbestand von St. Peter oder St. Blasien. Schulden. 
    (GLA KA 48 Nr. 5518)

    1806-1807 Aufhebung des Klosters Wonnental und Übersiedlung der Nonnen in das Kloster Lichtental.
    (GLA KA 208 Nr. 549)

    1807 Erfüllung verschiedener Verpflichtungen des aufgehobenen Klosters Wonnental und Verkauf des Gesundheitsbades zu Kirnhalden.
    (GLA KA 208 Nr. 566)

    1806 bis 1830 Plan über die Außmeßung der dem Kloster Wonnenthal auf dem Kenzinger und Riegler Bann zustehenden Geschäften / mit Notizen.
    (GLA KA H Wonnental 1) 44 Seiten über die Grundstücksvermessung

    Quellen GLA KA = Permalink zum Generallandesarchiv Karlsruhe

         


    Text, Fotos und 3D-Rekonstruktion: Hans-Jürgen van Akkeren
     

    Quellen

     
    Weitere Quellen:
    - Generallandesarchiv Karlsruhe 150: Kenzingen, Amt
    - Generallandesarchiv Karlsruhe 208: Kenzingen, Stadt
    - Generallandesarchiv Karlsruhe 229: Spezialakten der kleineren Ämter und Orte
    - Generallandesarchiv Karlsruhe 25: Wonnental
    - Generallandesarchiv Karlsruhe 65: Handschriften
    - Generallandesarchiv Karlsruhe 66: Beraine
    - Generallandesarchiv Karlsruhe 67: Kopialbücher
    - Generallandesarchiv Karlsruhe 68: Repertorien
    - Generallandesarchiv Karlsruhe 69 von Holzing-Berstett: Familien- und Herrschaftsarchiv von Holzing-Berstett
    - Generallandesarchiv Karlsruhe 79: Breisgau Generalia
    - Generallandesarchiv Karlsruhe 82: Konstanz Generalia (Hochstift)
    - Generallandesarchiv Karlsruhe E: Papsturkunden 1198-1302
     
    - Generallandesarchiv Karlsruhe: Findbuch 208: Herrschaft Stadt Kenzingen und Kirnburg