Pressebericht Breisgau-Burgen.de | Bad-Krozingen, 25.11.2022, Hans-Jürgen van Akkeren
Sensationsfund vor dem Rathaus: Mittelalterliche Burg in Bad Krozingen entdeckt
Archäologen stoßen auf eine bislang unbekannte Burganlage aus dem 12. bis 15. Jahrhundert – Mauern, Graben und ein mächtiger Wohnturm geben neue Einblicke in die Geschichte der Stadt
| Bad Krozingen. Archäologische Ausgrabung vor dem Rathaus. Bild LAD BW. |
Bad Krozingen. Mitten im historischen Zentrum von Bad Krozingen ist Archäologen eine außergewöhnliche Entdeckung gelungen. Bei den Ausgrabungen in den Jahren 2019, 2020 und 2022 kam vor dem heutigen Rathaus eine mittelalterliche Burganlage zum Vorschein, deren genaue Lage zuvor nicht bekannt gewesen war. Der Fund verändert das bisherige Bild von der mittelalterlichen Entwicklung des Ortes deutlich.
Zwar war aus schriftlichen Quellen bekannt, dass es in Bad Krozingen im Mittelalter eine Burg gegeben hatte. Bislang wurde diese jedoch mit dem sogenannten Pfirt’schen Schlösschen am Lammplatz in Verbindung gebracht, in dem sich heute eine Volksbank befindet. Die neu entdeckten Baureste zeigen nun, dass sich eine weitere beziehungsweise die tatsächlich gemeinte Burganlage offenbar im Bereich des heutigen Rathauses und der St.-Alban-Kirche befand.
Die Burg lag auf einer natürlichen, etwa zwei bis drei Meter hohen Geländeterrasse südlich des Neumagens. Diese erhöhte Lage bot nicht nur einen guten Überblick über die Umgebung, sondern erleichterte auch die Verteidigung. Das Burgareal umfasste eine Fläche von ungefähr 5.500 Quadratmetern. Ursprünglich war die gesamte Anlage von einer Mauer sowie einem acht bis zehn Meter breiten Graben umgeben.
Teile dieses früheren Burggrabens lassen sich noch heute im Stadtbild nachvollziehen. An der Südseite, im Bereich der heutigen Grabenstraße, blieb der Graben offenbar über Jahrhunderte erhalten. Erst in den 1960er-Jahren wurde er verfüllt. Heute wird die Fläche als Parkplatz genutzt. Damit befindet sich unter beziehungsweise neben einem modernen Verkehrs- und Nutzungsraum ein bedeutendes Zeugnis der mittelalterlichen Stadtgeschichte.
Mächtige Umfassungsmauer freigelegt
| Bad Krozingen Burgmauer. Foto LAD BW. |
Von der ältesten Burganlage, die in die Zeit zwischen dem 12. und 14. Jahrhundert datiert wird, konnten die Archäologen einen rund 18 Meter langen Abschnitt der Umfassungsmauer ausgraben. Die Mauer war unmittelbar an der erhöhten Geländekante errichtet worden. Sie war noch bis zu 1,70 Meter hoch erhalten und etwa einen Meter breit.
Diese Maße zeigen, dass es sich um eine massive Befestigung handelte. Die Mauer schützte das Burgareal und bildete zusammen mit dem breiten Graben ein wirkungsvolles Verteidigungssystem. Die Lage auf der Geländeterrasse verstärkte diesen Schutz zusätzlich.
Im Inneren der Anlage wurden außerdem die Mauern eines Wohnturms entdeckt. Der Bau war ungefähr 6,20 Meter breit und vermutlich rund 7,40 Meter lang. Von seiner Länge waren noch 4,73 Meter erhalten. Die Mauern des Turms hatten eine Stärke von etwa 90 Zentimetern. Die Innenfläche der einzelnen Räume betrug lediglich rund 23 Quadratmeter.
Trotz der vergleichsweise kleinen Grundfläche dürfte der Wohnturm eine beträchtliche Höhe erreicht haben. Die Fachleute gehen davon aus, dass er bis zu 20 Meter hoch gewesen sein könnte. Grundlage für diese Annahme sind vier übereinanderliegende sogenannte Laufhorizonte. Dabei handelt es sich um Spuren verschiedener Fußbodenebenen. Teilweise bestanden die Böden aus festgestampftem Lehm, teilweise vermutlich aus Holz.
Der Turm besaß somit wahrscheinlich mehrere Stockwerke. Solche Wohntürme dienten im Mittelalter nicht nur als Wohngebäude, sondern auch als sichtbares Zeichen von Macht und gesellschaftlichem Rang. Von seiner erhöhten Position aus dürfte der Bau die Umgebung deutlich überragt haben.
Spuren eines schweren Brandes
| Bad Krozingen Fundament der Burg mit Brandspuren. Foto: Landesamt für Denkmalpfege BW. |
Besonders auffällig sind die deutlichen Brandspuren im Bereich des Wohnturms. Ein Holzfußboden im Inneren war durch starke Hitzeeinwirkung erheblich verkohlt. Auch eine noch erhaltene Türschwelle aus Sandstein trug sichtbare Spuren des Feuers.
Die Schwelle war etwa 1,80 Meter lang. Durch die starke Hitze war der Sandstein zersprungen und hatte sich rötlich verfärbt. Solche Veränderungen entstehen, wenn das Gestein sehr hohen Temperaturen ausgesetzt ist. Die Befunde lassen daher vermuten, dass der Wohnturm bei einem heftigen Brand beschädigt oder möglicherweise zerstört wurde.
An den schmalen Seiten der Türschwelle fanden die Archäologen kleine quadratische Aussparungen. Dort standen vermutlich die Pfosten des Türrahmens. Dieses Detail erlaubt es den Forschenden, den ursprünglichen Eingangsbereich des Turms genauer zu rekonstruieren.
Ob der Brand durch einen Unfall, einen Angriff oder ein anderes Ereignis ausgelöst wurde, geht aus den bisher beschriebenen Befunden nicht hervor. Die verkohlten Böden und die beschädigte Steinschwelle belegen jedoch, dass das Feuer eine große Intensität erreicht haben muss.
Neuer Blick auf das mittelalterliche Bad Krozingen
| Bad Krozingen. Plan der Ausgrabung vor dem Rathaus. Grafik: Hans-Jürgen van Akkeren. |
Die Entdeckung der Burganlage ist für die Stadtgeschichte von besonderer Bedeutung. Sie zeigt, dass sich im Bereich des heutigen Rathauses und der St.-Alban-Kirche im Mittelalter ein befestigtes Zentrum befand. Die Größe des Areals, die mächtige Umfassungsmauer, der breite Graben und der vermutlich bis zu 20 Meter hohe Wohnturm sprechen für eine bedeutende und weithin sichtbare Anlage.
Der Fund macht außerdem deutlich, wie stark sich das Stadtbild im Laufe der Jahrhunderte verändert hat. Wo heute Rathaus, Kirche, Straßen und Parkplätze liegen, befand sich einst eine befestigte Burg. Moderne Bauarbeiten und archäologische Untersuchungen haben damit ein Kapitel der Ortsgeschichte sichtbar gemacht, das lange Zeit im Boden verborgen war.
Die Ausgrabungen liefern nun wichtige Hinweise darauf, wie die mittelalterliche Burg aufgebaut war und wie sie genutzt wurde. Zugleich werfen sie neue Fragen auf: Wer lebte in dem Wohnturm? Welche Rolle spielte die Burg für die Herrschaft und Verwaltung des Ortes? Und unter welchen Umständen wurde sie aufgegeben oder zerstört?
Fest steht bereits jetzt: Mit der Entdeckung der mittelalterlichen Ortsburg hat Bad Krozingen ein bedeutendes historisches Zeugnis zurückgewonnen. Die Funde erweitern das Wissen über die Stadt und zeigen, dass sich unter dem heutigen Rathausplatz noch immer überraschende Spuren der Vergangenheit verbergen.
Siehe auch: Bad Krozingen - Ortsburg
