|
Anotniterkloster Nimburg |
|
| Alternativname(n) Schreibweisen |
|
| Landkreis | Emmendingen |
| Gemeinde | Nimburg |
| Entstehungszeit | 1456 |
| Ersterwähnung | 1456 |
| Auflösung | 1559 |
| Gründungsstifter | Antoine Lyasse |
| Zugehörigkeit | Antoniter |
| Erhaltungszustand | abgeganen, Kirche erhalten |
| Geografische Lage | 48.09593/7.77064 |
| Höhenlage | 220 m ü. NHN |
Nimburg - Antoniterkloster
Das ehemalige Antoniterkloster Nimburg wurde 1456 südwestlich des Dorfes am Westhang des Nimbergs gegründet. Die bereits zuvor bestehende Pfarrkirche wurde dem Antoniterorden übertragen und den Heiligen Johannes dem Täufer und Antonius geweiht. Das Kloster gehörte zum Präzeptorat Freiburg im Bistum Konstanz.
Nach der Einführung der Reformation verlor die Niederlassung ihre ursprüngliche Funktion. Die Antoniter verließen das Kloster 1559, während die Kirche ab 1566 als Spitalkirche weitergenutzt wurde. Die übrigen Klostergebäude dienten später als Spital, Pfründnerhaus und Verwaltungssitz, bevor sie im 19. Jahrhundert abgebrochen wurden. Erhalten blieb lediglich die spätgotische Kirche, deren Chorbereich und Turm noch Teile der früheren Klosteranlage bewahren.
Geschichte
| 977 | Eine Kirche in Nimburg wird erstmals als „in pago Brisiggowe in loco Niwnburch basilicam unam“ erwähnt. Die Zuverlässigkeit dieser frühen Überlieferung ist jedoch nicht gesichert. |
| 1238 | Erster sicherer urkundlicher Nachweis einer Kirche in Nimburg. Bei dem ältesten Kirchenbau handelte es sich vermutlich um eine geostete Saalkirche, die auf einer eingeebneten Ziegelschicht eines aufgegebenen römischen Gebäudes errichtet worden war. |
| 1318 | Die ältere Nimburger Kirche wurde durch einen Brand zerstört. Anschließend entstand ein archäologisch nachgewiesener, in Ost-West-Richtung ausgerichteter Nachfolgebau. |
| Spätmittelalter | Die nach dem Brand von 1318 errichtete Pfarrkirche wurde mehrfach umgebaut. Ihr Fußboden bestand zuletzt aus Tonziegeln, die in Fischgrätmuster in ein Mörtelbett verlegt waren. |
| 1456 | Antoine Lyasse, Präzeptor des Freiburger Antoniterhauses, bat Markgraf Karl I. von Baden um die Erlaubnis, bei der Nimburger Pfarrkirche ein Antoniterkloster zu errichten. |
| 1456 | Markgraf Karl I. gestattete die Klostergründung und übertrug den Antonitern die Nimburger Pfarrkirche einschließlich des Patronatsrechts. |
| 1456 | Für die Niederlassung waren sechs Antoniter und zwei Weltgeistliche vorgesehen. Einer der Weltgeistlichen sollte die Seelsorge der Nimburger Bevölkerung übernehmen. Ob diese Personalstärke jemals erreicht wurde, ist nicht bekannt. |
| 1456 | Die Antoniter verpflichteten sich, innerhalb von vier Jahren ein Kloster mit Hospital zu errichten. Bei einer späteren Aufgabe der Niederlassung sollten sie dem Markgrafen 300 Gulden zahlen und die Kirche an ihn zurückgeben. |
| 1456 | Der Präzeptor des Antoniterhauses in Isenheim genehmigte im Auftrag des Abts von Saint-Antoine die Nimburger Stiftung. Antoine Lyasse musste zugleich gewährleisten, dass Gottesdienst und Spitalbetrieb im Freiburger Antoniterhaus fortgeführt wurden. |
| 1456 | Die Nimburger Pfarrkirche wurde dem Antoniterorden zur Einrichtung des Klosters übertragen. Das neue Gotteshaus wurde als „eyn nuw pflantzung eins gotzhuses zuo Númburg“ bezeichnet. |
| 1457 | Papst Calixt III. bestätigte die Stiftung des Antoniterklosters Nimburg. |
| nach 1456 | Nach der Klostergründung kam es zu einer schweren Auseinandersetzung mit den Grafen von Tübingen-Lichteneck, die damals die Ortsherrschaft über Nimburg innehatten. Antoine Lyasse wurde von Graf Konrad gefangen genommen, woraufhin dieser exkommuniziert wurde. |
| 1465 | Die Grafen von Tübingen-Lichteneck verkauften ihre Herrschaftsrechte in Nimburg an Markgraf Karl I. von Baden. |
| 1483 | Robert Lyasse, ein Neffe Antoine Lyasses, übernahm das Amt des Präzeptors. Während seiner Amtszeit verschärften sich die finanziellen Schwierigkeiten der Antoniter. |
| bis 1493 | Die Nimburger Kirche wurde dem Freiburger Antoniterhaus inkorporiert. Auch danach blieb die Nimburger Niederlassung der Leitung des Freiburger Präzeptors unterstellt. |
| 1517 | Eine Grabplatte im Chor der damaligen Kirche belegt die Bestattung eines Antoniters. Der ältere Kirchenbau war somit zu diesem Zeitpunkt noch in Gebrauch. |
| 1517–1545 | Vermutlich entstand in diesem Zeitraum die vergrößerte spätgotische Klosterkirche. Der nach Süden ausgerichtete Saalbau besaß einen polygonalen Chor und einen steinernen Lettner, der den Kirchenraum in zwei Bereiche teilte. Der ältere Kirchturm wurde in den Neubau einbezogen. |
| 1520 | Robert Lyasse legte sein Amt als Präzeptor nieder. Anschließend lebte er vermutlich als einfacher Ordensbruder im Nimburger Kloster. |
| 1520 | Claude Lyasse, ein weiterer Angehöriger der Familie, übernahm das Präzeptorenamt. Unter seiner Leitung nahmen die wirtschaftlichen Schwierigkeiten des Antoniterhauses weiter zu. |
| 1525 | Der Bauernkrieg verschärfte zusammen mit den Folgen der Reformation die finanzielle Not des Antoniterhauses. Besonders die Möglichkeiten des Terminierens und damit des Sammelns von Spenden wurden zunehmend eingeschränkt. |
| 1527 | Nach dem Tod Claude Lyasses fand sich innerhalb des Antoniterordens kein Nachfolger für das Präzeptorenamt. Die vorderösterreichische Regierung bestellte Rudolf Ecklin, den Benediktinerprior von St. Ulrich, zum Verweser. |
| 1545 | Ein Weltpriester wurde im Chor der neuen Klosterkirche bestattet. Das Grab gilt als wichtiger Hinweis darauf, dass der spätgotische Kirchenneubau spätestens zu dieser Zeit vollendet oder weitgehend fertiggestellt war. |
| 1549 | Das Antoniterkloster Nimburg wird letztmals als bestehende Ordensniederlassung erwähnt. |
| 1556 | Mit der Einführung der Reformation in der Markgrafschaft Baden-Durlach endete die religiöse Funktion des Antoniterklosters. In den Quellen wurde die Anlage nun als ehemaliges Kloster bezeichnet und auf markgräfliche Anordnung in ein Spital umgewandelt. |
| um 1556–1559 | Die Antoniter gaben ihre Nimburger Niederlassung endgültig auf. Als spätestes Jahr für ihren Weggang wird 1559 genannt. |
| 1559 | Die Antoniter verließen das Kloster endgültig. Die Klostergebäude wurden anschließend als Spital und Pfründnerhaus genutzt. |
| 1566 | Die ehemalige Klosterkirche wurde als Spitalkirche weiterverwendet. Die Anlage erscheint in den Quellen als „spital sancti Anthonii zu Obern Nümburg“. |
| 1581 | An der ehemaligen Kloster- und späteren Spitalkirche wurden Umbauten vorgenommen. Aus diesem Jahr ist ein Maßwerkfenster überliefert. |
| Mitte 17. Jahrhundert | Die ehemaligen Klostergebäude wurden Sitz der „Geistlichen Verwaltung Hochberg“. |
| 1629–1648 | Während des Dreißigjährigen Kriegs versuchte der Antoniterorden auf Grundlage des Restitutionsedikts Kaiser Ferdinands II., die Nimburger Niederlassung zurückzuerlangen. Die Bemühungen blieben erfolglos. |
| 18. Jahrhundert | Die ehemalige Klosterkirche wurde mit Fresken ausgemalt und mehrfach baulich verändert. |
| 1750 | Der Turm der ehemaligen Klosterkirche wurde aufgestockt. |
| 1772 | In die ehemalige Kloster- und Spitalkirche wurde eine Orgel eingebaut. |
| Mitte 19. Jahrhundert | Die ehemaligen Kloster-, Spital- und Verwaltungsgebäude wurden abgebrochen. Erhalten blieb die spätgotische Kirche mit Teilen der gotischen Apsis und dem in den Neubau einbezogenen Turm. |
| Klosteranlage nach einer Zeichnung von C. F. Meerwein (1806). |
Foto und Text: Hans-Jürgen van Akkeren
Quelle: Leo-BW Badisches Klosterbuch: Nimburg, Antoniter, Landkreis Emmendingen
