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Franziskaner Kloster Kenzingen
Aquarell des Franzinskanerklosters Kenzingen von Hans-Jürgen van Akkeren.

Aquarell - Franziskaner Kloster Kenzingen 1880
Hans-Jürgen van Akkeren
 Alternativname(n)
 Schreibweisen
Mündern brüdern zu Kentzingen (1654);
Franciscaner kloster (1769);
Franciscaner convent zu Kentzingen (1773);
kloster Kentzingen des ordens St. Franziskus (1797)
 Landkreis  Emmendingen
 Gemeinde  Kenzingen
 Entstehungszeit  zwischen 1659-1662
 Ersterwähnung  
 Auflösung  1803
 Gründungsstifter  
 Zugehörigkeit  Franziskaner
 Erhaltungszustand  erhalten,
 heute AWO Plfegeheim
 Geografische Lage  48.19292/7.76727
 Höhenlage  175 m ü. NHN

Kenzingen - Ehemaliges Franziskanerkloster

Lage

Das Kloster wurde auf einem Gelände errichtet, auf dem sich zuvor ein Hof des Klosters Tennenbach befunden hatte. Von dieser älteren Anlage war zunächst die westlich des späteren Klostergebäudes gelegene Annenkapelle erhalten geblieben. Der Sturzstein ihres spätgotischen Portals mit der Jahreszahl 1499 befindet sich heute im Innenhof des Rathauses.

Die Ausrichtung der Klosteranlage nahm Rücksicht auf die bestehende Siedlungsstruktur. Die Klosterkirche lag mit ihrer südlichen Längsseite unmittelbar an der Straße, während ihre Chorachse nach Südosten ausgerichtet war. Die Konventsgebäude schlossen sich auf der von der Straße abgewandten Nordostseite an. Dahinter erstreckte sich ein weitläufiges Gartengelände bis zur Stadtmauer.

Kirche und Konventsbauten

Die ehemalige Klosteranlage entstand in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts innerhalb weniger Jahre. Den Anfang machte 1657 der Bau des Konventsgebäudes, das bereits im darauffolgenden Jahr von der Ordensgemeinschaft bezogen werden konnte. Unmittelbar anschließend begann die Errichtung der Klosterkirche. Ihr Grundstein wurde 1659 gelegt, die feierliche Weihe erfolgte 1662. Mit der Planung und Ausführung waren mit Ruffin Laxner als Baumeister und Vitus Rastpichler als Bauführer zwei Angehörige des Ordens betraut. Unterstützung erhielt das Bauvorhaben vom Kloster Ettenheimmünster, das nicht nur das benötigte Bauholz bereitstellte, sondern auch Baumaterial aus der abgebrochenen Nikolauskapelle im untergegangenen Dorf Nidingen südwestlich der Stadt zur Verfügung stellte. Für die Werksteine verwendete man Buntsandstein aus den Vorkommen der Vorbergzone.

Die Klosterkirche präsentiert sich als breiter, einschiffiger Bau mit einem gegenüber dem Langhaus eingezogenen Chor, der in einem geraden Abschluss endet. Das hohe Westportal wird von seitlichen Pilastern und einem Rundbogen gerahmt. Im Scheitel befindet sich das für den Franziskanerorden charakteristische Symbol der sich kreuzenden Arme Christi und des heiligen Franziskus unterhalb des Kreuzes. Das kleinere Seitenportal an der Südseite greift diese Gestaltung in vereinfachter Form auf und zeigt im Bogenscheitel die fünf Wunden Christi.

Langhaus und Chor werden jeweils von einer Tonnenwölbung mit seitlichen Stichkappen überspannt. Auf außenliegende Strebepfeiler konnte verzichtet werden, da die außergewöhnlich starken Außenmauern den seitlichen Schub der Gewölbe aufnehmen. Auf die Gewölbeflächen ist ein dekoratives Rippensystem aus kantigen Graten und flachen Stuckkehlen aufgetragen. Durch die Verlängerung der Kanten der Stichkappen und ihre Verbindung mit den Rippen der gegenüberliegenden Seite entsteht die Wirkung eines spätgotisch anmutenden Netzgewölbes. Diese Gestaltung verbindet traditionelle Gewölbeformen mit der Bauweise des 17. Jahrhunderts.

Nördlich der Kirche schließt sich der dreigeschossige Konvent an. Seine Gebäudeflügel bilden ein geschlossenes Geviert um einen Innenhof. Ein umlaufender Gang öffnet sich mit Rundbogenarkaden zum Hof und erschließt die einzelnen Räume des Klosters. Vermutlich stammt auch der nach Westen ausgreifende Flügel mit seinen Wirtschaftsräumen aus der ursprünglichen Bauzeit. Er liegt in der Verlängerung des schmalen Gebäudeteils entlang der Kirche und ragt über deren westliche Giebelwand hinaus.

Nach dem Übergang der Klostergebäude in den Besitz der Stadt im Jahr 1832 erhielten die Bauten neue kommunale Funktionen. In den ehemaligen Konventsräumen wurden unter anderem ein Spital, Schulräume und ein Kindergarten eingerichtet. Die westlich der Anlage gelegene Annenkapelle wurde in dieser Zeit abgebrochen.

Eine tiefgreifende Veränderung der Klosterkirche erfolgte 1890. Unter dem Chorbogen wurde eine Trennwand eingezogen, wodurch zwei voneinander unabhängige Kirchenräume entstanden. Das Langhaus diente fortan als evangelische Kirche. Vor der neuen Trennwand wurde zwischen den erhalten gebliebenen Seitenaltären ein Kanzelaltar aufgestellt. Der Einbau einer Empore machte außerdem eine Verkleinerung des ursprünglichen Westportals erforderlich.

Der abgetrennte Chorraum mit dem historischen Hauptaltar wurde dagegen als katholische Krankenhauskapelle genutzt. Für diese neue Funktion erhielt er an der Südseite einen eigenen Außenzugang. Im Inneren wurde zudem eine Empore für die im Krankenhaus tätigen Ordensschwestern eingebaut. Damit vereinte die ehemalige Klosterkirche nun zwei konfessionell getrennte Sakralräume unter einem gemeinsamen Dach.

Ab 1898 stand das gesamte Gebäudeensemble dem Krankenhaus zur Verfügung. Im selben Jahr wurde über dem Langhaus ein hoher Dachturm errichtet, der drei Glocken aufnahm und das Erscheinungsbild der Kirche nachhaltig prägte. Weitere bauliche Veränderungen folgten 1927. Der nach Westen ausgreifende Gebäudeflügel wurde zu einer hakenförmigen Anlage erweitert. Gleichzeitig entstand eine neue Eingangssituation mit einem überwölbten Vorplatz und einer Pförtnerloge. Ein zusätzliches Portal orientierte sich gestalterisch an den historischen Kirchenportalen und erhielt im Scheitel das Stadtwappen.

Während des Zweiten Weltkriegs wurde die ehemalige Klosteranlage 1944 durch Bomben beschädigt. Bei der Renovierung des evangelischen Kirchenraums im Jahr 1961 ersetzte man den bisherigen Kanzelaltar durch einen neuen Altartisch. Die beiden Seitenaltäre wurden von der Trennwand an die Längsseiten des Langhauses versetzt.

Nach der Schließung des Krankenhauses fanden die Konventsgebäude erneut eine neue Nutzung. Seit 1985 beherbergen sie ein Pflegeheim. Das Langhaus erhielt 1996 wieder einen hohen Dachturm, der als Nachbildung des 1898 errichteten und später verlorenen Turmes ausgeführt wurde. Die heutige Anlage ist damit das Ergebnis einer langen Bau- und Nutzungsgeschichte, in der sich klösterliches Leben, kirchliche Nutzung, kommunale Aufgaben, Krankenpflege und Altenfürsorge miteinander verbinden.

Geschichte

JahrEreignis
1327 Erstmals ist eine Niederlassung der Franziskaner in Kenzingen nachweisbar. Das vermutlich als Bettelstation genutzte Häuslein lag an der Stadtmauer gegenüber dem Spital in der damaligen Weingasse, der heutigen Spitalstraße. Mit der späteren frühneuzeitlichen Klostergründung bestand kein Zusammenhang.

1628 Die Stadt Kenzingen stellte den Franziskanern der Tiroler Rekollekten- beziehungsweise Reformatenprovinz ein Haus als Unterkunft zur Verfügung.

1630 Die ersten Franziskanerbrüder siedelten nach Kenzingen über.

1632 Den Kenzinger Franziskanern wurde die Abhaltung des Gottesdienstes in Emmendingen übertragen.

1638–1649 Während des Dreißigjährigen Krieges verließen die Franziskaner das Kloster.

1658/1659 Im Kloster lebten vier Patres und neun Laienbrüder.

11. Juli 1661 Die Mönchsgemeinschaft wurde zum eigenständigen Konvent erhoben. Der dem heiligen Josef geweihte Hauptaltar besaß das Privileg eines täglichen Ablasses für die Verstorbenen.

1663 Die Erzbruderschaft des heiligen Franziskus wurde gegründet. Sie nutzte den Altar des heiligen Antonius von Padua und des Prager Jesuskindes.

1676 Infolge von Kriegseinwirkungen flohen die meisten Brüder in Franziskanerkonvente in der Schweiz. Der Guardian blieb zunächst im Kloster und zog später nach Endingen, wo er in der Peterskirche den Pfarrdienst
übernahm.

1699 Neben dem Guardian gehörten dem Konvent zwölf Patres und vier Laienbrüder an.

Seit dem frühen 18. Jahrhundert Die auswärtige seelsorgerische Tätigkeit der Franziskaner führte wiederholt zu Konflikten mit dem Kenzinger Pfarrklerus.
Letztes Viertel des 18. Jahrhunderts

Im Kloster wirkten zwischen zwölf und 17 Patres sowie regelmäßig fünf Laienbrüder. Bis zum Ende des Jahrhunderts ging die Zahl der Ordensangehörigen zurück.
1772 Die Franziskaner waren in mehr als 20 vorderösterreichischen Orten aushilfsweise in der Seelsorge tätig.

1772 Die erwarteten jährlichen Einkünfte aus Fleisch, Butter, Eiern, Wein, Früchten, Öl, Gemüse, Holz, weiteren Naturalgaben und Spenden wurden mit insgesamt 4.558 Gulden veranschlagt.

1784 Eine eigens ausgehandelte Kirchenordnung regelte die Zuständigkeiten der Franziskaner und des Kenzinger Pfarrklerus.

1784 Das jährliche Budget des Klosters wurde mit 4.431 Gulden kalkuliert.

1804 Kurz vor der Aufhebung des Klosters lebten dort zehn Patres und vier Laienbrüder.

Im Zuge der Säkularisation Das Franziskanerkloster wurde aufgelöst. Den verbliebenen Mönchen wurde eine Auswanderung nach Österreich untersagt; sie durften ihren Lebensabend im Kloster verbringen.

1807 Die Klosterbibliothek wurde entgegen den ursprünglichen badischen Planungen in die Universitätsbibliothek Freiburg eingegliedert.

1831 Der letzte im Kloster lebende Pater starb. Anschließend verließen auch die verbliebenen Laienbrüder die Anlage.

1832 Die Stadt Kenzingen erwarb den ehemaligen Klosterkomplex.

Ohne genaue Jahresangabe Die Gründung des Franziskanerklosters Seelbach ging auf das Wirken der Kenzinger Franziskaner zurück. Sie stellten auch den ersten Konvent in Seelbach.

 

Kenzingen. Eingangsportal der ehemaligen St. Annakapelle. Foto Hans-Jürgen van Akkeren.
 
Kenzingen 1939. Fotografie des Franziskanerklosters in der heutigen Eisenbahnstraße.
Eingangsportal der ehemaligen St. Annakapelle des Tennenbacherhofs in Kenzingen mit Jahreszahl 1499.
Ursprünglicher Standort in der heutigen Eisenbahnstraße vor dem Franziskanerkloster.
Heutiger Standort im Innenhof Rathaus Kenzingen.
Foto: Hans-Jürgen van Akkeren
  Kenzingen 1939. Fotografie des Franziskanerklosters in der heutigen Eisenbahnstraße.
Fotograf unbekannt.

 

Text, Fotos und Aquarell: Hans-Jürgen van Akkeren

Quelle: Leo-BW Badisches Klosterbuch, Kenzingen, Franziskaner